Wer sich schonmal gefragt hat wieso mein Hostel “Arthouse” heisst, hier die Antwort: es liegt sozusagen im Kunstbezirk Tasmaniens, in Reichweite zur Academy of the Arts der Universität Tasmaniens. Hier kann man zum einen Kunst studieren, zum anderen gibts immer wieder erstaunlich interessante Ausstellungen.
In meinem Treeplanting-Team arbeiten einige Künstler, die hauptberuflich Kunst studieren oder mit ihren Bildern und Zeichnungen ihren Lebensunterhalt verdienen. Nebenberuflich pflanzen sie Bäume. Eine dieser Künstlerinnen ist Melissa (nicht die Rezeptionistin im Hostel), die eigentlich aus Boston (Massachusetts, USA) kommt, aber in Tasmanien lebt, in Launceston ihr Atelier hat und gerade ihr Master Degree macht. Sie hat meinen Kollegen Heiko und mich zur Eröffnung einer neuen Ausstellung eingeladen, das war gestern abend.
Wir sind also abends rüber zur Academy Gallery und haben uns unter die intellektuelle Oberschicht gemischt, von Weirdo über Schickimicki bis zum Galerie-Direktor war alles vertreten, mit so 50 Leuten aber eher ein überschaubarer Haufen. Der Titel der neuen Ausstellung ist Portable Worlds und ich hatte keine große Ahnung was mich da erwartet, immerhin gabs gratis Käsehäppchen und Chips. Letztendlich bestand die gesamte Ausstellung nur aus etwa 7 Handys, auf denen sich die Leute irgendwelche Videos von Künstlern anschauen konnten; nach all dem wichtigen Tamtam, den der Direktor in seiner Eröffnungsrede losgelassen hat kam ich mir ein bisschen vor wie bei versteckte Kamera und konnte mir mein Grinsen kaum verkneifen.
Das interessanteste war am Ende, die ganzen wichtigen Leute zu beobachten, wie sie sich die Videos auf den Handys reinziehen und miteinander Sinn, Bedeutung und Interpretation diskutieren. Wenn mich Leute nach meiner Meinung gefragt haben, habe ich einfach meinen Standardsatz “art is always arguable” gebracht, ich wollte hier keine Grundsatzdiskussion lostreten. Manchmal muss man ja alles auch ein bisschen auf sich wirken lassen bevor man es beurteilt.
Es gibt eine ziemlich dünne Linie zwischen Kunst und lächerlich, und wenn man aus einer Ausstellung rausgeht und sich noch immer nicht sicher ist, ob diese Linie hier überschritten wurde, hat die Ausstellung ihr Ziel vielleicht schon erreicht, nämlich einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Jedenfalls wars ein Genuss, das Ganze hinterher noch mit der anderen Melissa, unserer einheimischen Hostel-Rezeptionistin, zu diskutieren. Sie reagiert immer ein bisschen allergisch wenn man sich über Tasmanien lustig macht.
Universität die Zweite
Wenn ich schon bei der Universität Tasmaniens bin, das war gestern abend schon der zweite Kontakt mit der Uni. Mittags während der Arbeit sind auf einmal zwei Wissenschaftler der Uni aus Hobart zu uns aufs Feld gefahren, sie forschen im Auftrag der Forstindustrie über alternative Methoden, wie man Tiere davon abhalten kann, die frisch gepflanzten Setzlinge zu fressen.
Niemand redet gerne darüber, aber Tierabwehr sieht hierzulande häufig so aus, dass zwei Monate vor Beginn der Pflanzungen einfach alles niedergeschossen oder Gift gestreut wird. Dementsprechend finden sich am Rand unseres Felds gerne mal Tierknochen oder leere Shotgun-Patronen.
Alternative Methoden sind zum Beispiel bessere Zäune, doch ist die Instandhaltung teuer. Die Forschungsarbeit der Wissenschaftler bestand nun darin, zu untersuchen, ob es was bringt, um das gesamte Feld einfach eine oder mehrere Reihen mit speziellen behandelten Bäumen zu pflanzen, die die Tiere nicht fressen. Ich war einer der Glücklichen, die abgestellt wurden um den Forschern beim Pflanzen zu helfen, und es tat wirklich gut, mal wieder mit ein paar Uni-Wissenschaftlern zu reden. Das ist einfach eine ganz eigene Spezies Mensch.
